AI Agents & Automation
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Practitioner AI Agents & Automation 15 Min

AI Agents verstehen und einsetzen

Lerne, was KI-Agenten wirklich sind, wie Agent Teams funktionieren und wie du sie gezielt für deine Arbeit einsetzt

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AI Agents verstehen und einsetzen - Sketchnote

AI Agents verstehen und einsetzen

Einleitung

KI-Agenten sind der nächste grosse Sprung nach Chatbots. Während ein Chatbot auf deine Fragen antwortet, kann ein KI-Agent eigenständig Aufgaben ausführen, Entscheidungen treffen und sogar mit anderen Agenten zusammenarbeiten. Claude Code, OpenClaw und ähnliche Tools zeigen bereits heute, was möglich ist -- und es verändert grundlegend, wie wir arbeiten.

In diesem Kurs lernst du, was hinter KI-Agenten steckt, welche Arten es gibt, wie Agent Teams funktionieren und wie du sie konkret für deine Arbeit nutzen kannst. Egal ob du Unternehmer, Entwickler oder Wissensarbeiter bist: KI-Agenten werden in den nächsten Jahren ein zentrales Werkzeug.

Was sind KI-Agenten?

Ein KI-Agent ist ein System, das nicht nur auf Anfragen reagiert, sondern eigenständig handelt. Der entscheidende Unterschied zum Chatbot: Ein Agent kann planen, Werkzeuge nutzen und Ergebnisse über mehrere Schritte hinweg verfolgen.

Vom Chatbot zum Agenten

Stell dir den Unterschied so vor:

  • Chatbot: Du fragst "Wie schreibe ich eine E-Mail an Herrn Müller?" und bekommst einen Textvorschlag.
  • KI-Agent: Du sagst "Schreib Herrn Müller eine Follow-up E-Mail zum Meeting letzte Woche" und der Agent liest deine Meeting-Notizen, verfasst die E-Mail, prüft den Tonfall und sendet sie ab.

Der Agent übernimmt also nicht nur eine einzelne Aufgabe, sondern orchestriert einen kompletten Workflow. Boris Jabes, Head of Claude Code bei Anthropic, beschreibt das so: Seit November hat er keine einzige Zeile Code mehr von Hand geschrieben -- alles läuft über KI-Agenten, die seine Anweisungen in fertige Pull Requests umsetzen.

Die autonome Arbeitsfähigkeit wächst rasant

Die unabhängige KI-Sicherheitsorganisation METR misst mit dem Time Horizon Benchmark, wie lange ein KI-Agent autonom an Softwareaufgaben arbeiten kann. Die Ergebnisse sind beeindruckend:

  • Ende 2022 (ChatGPT-Start): 30 Sekunden autonome Arbeit
  • März 2023 (GPT-4): 5,4 Minuten
  • November 2025 (Claude Opus 4.5): 320 Minuten
  • Februar 2026 (Claude Opus 4.6): 870 Minuten

Die autonome Arbeitsfähigkeit verdoppelt sich alle vier Monate. Extrapoliert man diese Kurve, erreichen KI-Agenten 2027 die Fähigkeit, einen vollständigen 8-Stunden-Arbeitstag autonom durchzuarbeiten.

Welche Arten von KI-Agenten gibt es?

Einfache Agenten (Single Agent)

Ein einzelner Agent mit Zugriff auf bestimmte Werkzeuge. Beispiel: Claude Code im Standardmodus, der Code schreibt, Tests ausführt und Dateien bearbeitet -- alles in einem Kontextfenster.

Subagents

Der zentrale Agent delegiert Teilaufgaben an spezialisierte Unteragenten. Jeder Subagent erhält ein eigenes Kontextfenster, arbeitet seine Aufgabe ab und liefert das Ergebnis zurück. Danach wird sein Kontextfenster gelöscht.

Vorteil: Du kannst die gleiche Aufgabe über 20 Mal bei gleichbleibender Qualität ausführen, weil das Hauptkontextfenster nicht vollläuft.

Einschränkung: Die Subagents können nicht untereinander kommunizieren. Die gesamte Koordination läuft über den Lead Agent.

Agent Teams

Die neueste und mächtigste Variante. Hier laufen mehrere Claude-Code-Instanzen als eigenständige Sessions, die miteinander kommunizieren können. Der Lead Agent erstellt eine Aufgabenliste, und die einzelnen Team-Mitglieder picken sich Aufgaben heraus, tauschen Ergebnisse aus und verbessern sich gegenseitig.

Vorteile von Agent Teams:

  • Unbegrenzter Kontext, da jede Instanz ein eigenes Fenster hat
  • Agenten können untereinander kommunizieren
  • Persistent aktiv -- werden nicht nach einer Aufgabe gelöscht
  • Ideal für komplexe, mehrstufige Projekte

Wichtig zu wissen: Agent Teams verbrauchen entsprechend mehr Ressourcen. Drei Agenten bedeuten dreifache Kosten.

Agent Teams in der Praxis

Das Paper Banana Beispiel

Google hat mit dem Paper Banana Projekt gezeigt, wie Agent Teams wissenschaftliche Illustrationen erstellen können. Die Pipeline besteht aus fünf spezialisierten Agenten:

  1. Eingabe-Agent: Liest das wissenschaftliche Paper
  2. Retrieval-Agent: Sucht relevante Referenzen und Stile
  3. Planer-Agent: Definiert, was visualisiert werden soll
  4. Design-Agent: Erstellt die eigentlichen Grafiken
  5. Kritiker-Agent: Bewertet die Ergebnisse und gibt Verbesserungsvorschläge

Das Ergebnis: In einem Blindtest schlägt das Agententeam menschliche Designer in 72,7% der Fälle. Der entscheidende Faktor war die Iteration zwischen Kritiker und Designer -- mit jeder Feedback-Runde wurde das Ergebnis messbar besser.

Brainstorming mit Agent Teams

MetalSole demonstriert einen kreativen Einsatz von Agent Teams: Er hat ein Ideation-Team aufgebaut, bestehend aus einem Freethinker (erzeugt kreative Ideen), einem Grounder (prüft die Machbarkeit), einem Arbiter (trifft Entscheidungen) und einem Writer (dokumentiert die Ergebnisse).

Für die Umbenennung einer Anwendung arbeitete dieses Team über eineinhalb Stunden autonom und lieferte nicht nur einen guten Namen, sondern eine detaillierte Begründung mit Marktanalyse, bekannten Risiken und offenen Fragen. Die Qualität des Ergebnisses übertraf die Summe der einzelnen Teile.

So richtest du Agent Teams ein

Voraussetzungen

  1. Claude Code installiert (Terminal, VS Code, Cursor oder ähnliche IDE)
  2. tmux aktiviert -- damit du die einzelnen Agenten in separaten Terminal-Fenstern verfolgen kannst
  3. Modell-Strategie: Opus 4.6 für den Lead Agent, Sonnet für die Teammitglieder (spart Tokens)

Schritt-für-Schritt Anleitung

1. Settings anpassen Aktiviere Agent Teams in deiner Claude Code Settings-Datei und stelle tmux als Standard ein.

2. Ordnerstruktur vorbereiten Erstelle einen Projektordner mit Input- und Output-Verzeichnissen. Lege Kontextdateien als Markdown ab -- das ist effizienter als PDF für die Agenten.

3. Den Initialprompt formulieren Der Prompt ist das Einzige, was in jeden Agenten als Kontext injiziert wird. Gib daher alles Wichtige mit:

  • Die Rolle des Teams (z.B. "Du bist Teamlead eines Design-Teams")
  • Die Aufgabe und das gewünschte Ergebnis
  • Best Practices (z.B. "Nutze Sonnet für Teammates")
  • Relevante Dateipfade

4. Team starten und beobachten Mit tmux siehst du jeden Agenten in einem eigenen Fenster. Du kannst jederzeit einzelne Agenten ansprechen, ihnen Feedback geben oder Korrekturen vornehmen.

Best Practices für Agent Teams

  • Der Lead Agent koordiniert nur -- er implementiert nicht selbst
  • Starte mit Low Effort beim Reasoning und skaliere bei Bedarf hoch
  • Gib jedem Agenten eine klare Rolle mit definierten Verantwortlichkeiten
  • Nutze die CLAUDE.md-Datei für projektweiten Kontext
  • Speichere erfolgreiche Setups als Skills für wiederholbare Nutzung

Was bedeutet das für die Arbeitswelt?

Jede Stelle hinterfragen

Die Faustregel von Everlast AI: Alles, was du einem neuen Mitarbeiter durch Checklisten, SOPs und Handbücher beibringen musst, ist heute einfacher einem KI-Agenten beizubringen. Dario Amodei, CEO von Anthropic, warnt, dass KI die Hälfte aller Einstiegspositionen im Bürobereich in ein bis fünf Jahren eliminieren könnte.

Infrastruktur-Kompatibilität wird entscheidend

Andrew Karpathy beschreibt den "seltsamen Tod der User Interfaces": Agenten sind blind für schöne Oberflächen. Sie kommunizieren über APIs, nicht über Buttons. Unternehmen, deren Software keine Schnittstellen für Agenten bietet, werden massiv den Anschluss verlieren.

Die Bienenschwarm-Vision

Steve Yegge, ehemaliger Softwareentwickler bei Google und Amazon, beschreibt Anthropics Arbeitsweise als "Hive" -- einen Bienenschwarm, in dem Informationen in Echtzeit fliessen und Produkte in Tagen statt Quartalen von der Idee zum Launch kommen. Das ist die Zielvision: Agenten, die permanent arbeiten, Ergebnisse teilen und sich gegenseitig verbessern.

Fazit

KI-Agenten sind keine Zukunftsmusik mehr -- sie sind Realität. Die wichtigsten Punkte:

  1. Agenten handeln eigenständig statt nur auf Fragen zu antworten
  2. Die autonome Arbeitsfähigkeit verdoppelt sich alle vier Monate
  3. Subagents lösen das Kontextfenster-Problem durch separate Instanzen
  4. Agent Teams können untereinander kommunizieren und iterativ verbessern
  5. Messbar bessere Ergebnisse durch Kritik-Schleifen (Paper Banana: 72,7%)
  6. Jede Wissensarbeit wird von dieser Entwicklung betroffen sein
  7. Jetzt anfangen lohnt sich -- Domain Knowledge im Umgang mit Agenten ist der entscheidende Vorteil

Im nächsten Kurs zeigen wir dir, wie du mit Agentic Workflows eigene Automatisierungen baust, die weit über klassische Workflow-Tools wie Make oder n8n hinausgehen.

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